Silke Grotegut
NICHT ABWARTEN
UND HOFFEN.
GEH IN FÜHRUNG.

Karriere abseits der Ausschreibungen: So nutzt du den verdeckten Markt für dich

Wenn Menschen über Jobsuche sprechen, reden sie fast automatisch über Stellenausschreibungen, über Portale, Anzeigen und Matching-Algorithmen. Doch die Wahrheit ist: Ein großer Teil des Arbeitsmarktes findet dort gar nicht statt. Rund 70 Prozent der Stellen – besonders im Fach- und Führungsbereich – werden nie öffentlich ausgeschrieben. Sie werden besetzt. Leise, schnell und oft unter dem Radar.

Genau das macht den verdeckten Arbeitsmarkt so wertvoll für Menschen, die einen echten Karriereschritt gehen wollen. Und er ist heute relevanter denn je.

Warum so viele Stellen unsichtbar bleiben

Das hat drei Gründe.

Erstens: Die Arbeitswelt ist schneller geworden. Rollen entstehen und verschwinden im Wochentakt. Für viele Unternehmen wäre es reine Zeitverschwendung, für jede neue Aufgabe ein langes Recruitingverfahren aufzusetzen.

Zweitens: Führungskräfte wollen Sicherheit. Sie bevorzugen Menschen, die durch Empfehlungen kommen, weil das das Risiko minimiert. Und wenn eine Stelle schnell besetzt werden muss, zählt der direkte Draht mehr als jede Standardbewerbung.

Und drittens: KI hat den Bewerbungsprozess verändert. Seit KI im Bewerbungsprozess angekommen ist, hat sich die Zahl der Bewerbungen vervielfacht. Viele Anschreiben klingen heute professionell – zu professionell. Die Unterschiede sind schwerer erkennbar, und Recruiter können kaum noch sortieren, was authentisch ist und was nicht. Das führt dazu, dass Unternehmen versuchen, diese Überlastung zu umgehen – indem sie ihren Bedarf gar nicht erst öffentlich machen und sich lieber auf Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk verlassen.

Für dich bedeutet das: Die meisten Chancen liegen hinter einer Tür, die du selbst öffnen musst.

Warum der verdeckte Markt deine größte Chance ist

Der offene Markt ist überfüllt – fast alle Bewerber:innen fokussieren sich ausschließlich auf offen ausgeschriebene Stellen. Im verdeckten Markt dagegen geht es ruhiger zu, gezielter und persönlicher. Dort zählt, wer du bist, nicht wie perfekt deine Bewerbung aussieht.

Ich sehe das in meinem Coaching am laufenden Band: Die wirklichen Durchbrüche passieren nicht über Portale. Sondern über Gespräche, Empfehlungen, direkte Kontakte und gezielte Initiativen. Die Menschen, die diese Wege gehen, haben weniger Konkurrenz – und landen in Rollen, die viel besser zu ihren Stärken passen.

„Es braucht Mut, diesen Schritt zu gehen. Aber der Aufwand lohnt sich. Und heute ist es einfacher als früher – weil KI dich dabei perfekt unterstützen kann."

Wie KI den Zugang plötzlich erleichtert

Früher kostete es Wochen, passende Unternehmen zu identifizieren. Man musste Branchenberichte wälzen, Netzwerke durchforsten, Unternehmensprofile vergleichen, Ansprechpersonen recherchieren. Wer das gründlich machen wollte, kam schnell an seine Grenzen.

Heute kann eine KI diese Vorarbeit für dich erledigen. Sie findet Firmen, die zu deinen Fähigkeiten, deinen Werten und deinen beruflichen Zielen passen. Sie analysiert Trends in deiner Branche, zeigt dir, wer wächst, wer rekrutiert, wer restrukturiert – und wo dadurch neue Rollen entstehen könnten. Und sie hilft dir dabei, herauszufinden, wer die relevanten Entscheidungsträger sind und welche Themen sie beschäftigen.

Das heißt nicht, dass KI für dich Kontakte aufbaut. Aber sie übernimmt die Recherchearbeit, für die du früher Wochen gebraucht hättest.

Wie du den verdeckten Markt betrittst

Der wichtigste Schritt passiert, bevor du irgendein Unternehmen kontaktierst: Du musst wissen, wofür du stehst. Die Klarheit über deine eigene Positionierung ist dein Türöffner. Menschen, die wissen, was sie können und wohin sie wollen, wirken sofort professioneller – und vor allem ansprechbar.

Wenn diese Basis steht, folgt der nächste Schritt: die richtigen Unternehmen finden. Nicht 200. Nicht 80. Sondern die 20 bis 30, bei denen die Kombination aus Kultur, Aufgaben, Branche und Weiterentwicklung wirklich Sinn ergibt. Genau diese Liste kannst du dir heute mit KI sehr gut vorbereiten.

Und dann kommt der entscheidende Moment: Du gehst aktiv in den Kontakt. Nicht im Sinne eines „Haben Sie etwas für mich?", sondern mit einer professionellen, klaren und wertstiftenden Botschaft. Menschen reagieren darauf, wenn sie merken, dass du dir Gedanken gemacht hast – und dass du weißt, warum du gerade sie ansprichst.

Warum die Methode funktioniert

Am Ende haben wir es immer mit Menschen zu tun. Menschen stellen gerne Menschen ein, die ein Problem lösen können und die eine klare professionelle Identität haben. Wenn du nicht darauf wartest, dass ein Unternehmen dich „findet", sondern selbst in Führung gehst, passiert etwas Erstaunliches: Du wirst nicht mehr als Bewerber:in wahrgenommen, sondern als potenzielle Lösung. Das verändert die Dynamik sofort.

Und es ist der Grund, warum so viele meiner Klient:innen ihren nächsten Karriereschritt genau hier machen – nicht auf Portalen, sondern im direkten Austausch auf dem verdeckten Arbeitsmarkt.

Der verdeckte Arbeitsmarkt ist kein exklusiver Club. Er ist der natürliche Ort, an dem heute ein Großteil der beruflichen Bewegungen entsteht. Und mit der richtigen Vorbereitung, unterstützt durch KI, ist er besser zugänglich als je zuvor.

Vielleicht ist die Stelle, die du suchst, schon da draußen. Sie steht nur nirgends.

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie du genau herausfindest, welche Unternehmen wirklich zu dir passen – und wie du den ersten Kontakt so gestaltest, dass er Wirkung zeigt. Genau dazu habe ich gemeinsam mit Marcel Zimmermann ein Buch geschrieben: „Mit KI zum Karrieresprung". Wir zeigen dir darin Schritt für Schritt, wie du die verdeckten Marktchancen erkennst, wie du passende Unternehmen identifizierst und wie du KI dafür nutzen kannst, Klarheit zu gewinnen und strategisch vorzugehen.

Silke Grotegut
Silke Grotegut
Karriereberaterin & Autorin
Silke Grotegut ist erfahrene Karriereberaterin und Erfolgsautorin. In über zehn Jahren Coaching-Praxis hat sie hunderte Fach- und Führungskräfte dabei begleitet, ihren nächsten Karriereschritt strategisch zu gestalten – heute mit KI als zusätzlichem Werkzeug. Gemeinsam mit Marcel Zimmermann hat sie das Buch „Mit KI zum Karrieresprung" geschrieben.